Mittwoch, 5. August 2015

Schiff ahoi

Manche Stoffe geben ja gerade zu den Schnitt vor. So auch diese beiden Borderprint Stoffe, die ich in den USA bestellt habe.


Den Michael Miller Stoff mit den Flamingos habt ihr in der letzten Zeit wohl häufiger gesehen, da er doch sehr beliebt ist. Ich widme mich allerdings erst einmal dem Bootstoff, mir ist so nach maritim bei diesem Wetter!

Bei dieser Art Print bietet sich eigentlich nur ein gekräuselter Rock an, da so das Muster am besten zur Geltung kommt. Dass ich gekräuselte Röcke toll finde, habe ich schon beim Indianerrock erwähnt. Man hat im Prinzip keinen Verschnitt und das ist doch super.

Insgesamt habe ich 2m von dem Stoff mit den Booten. Der Rock soll 75cm lang werden, damit er das Knie bedeckt. 

Also schneide ich zunächst oben einen Streifen ab, so dass der Teil mit den Booten 80cm misst. So habe ich genug Nahtzugabe um den Rock später zu versäumen und den Bund ranzunähen.


Den oberen Teil mit den Streifen nehme ich später als Bund.

Bei Röcken und Hosen brauche ich immer Taschen, also falte ich mein Stoffrechteck einmal mittig und schneide es ca. 20cm ein. Dort nähe ich eine Nahttasche ein.


Bisher habe ich beim Kräuseln immer mit nur einem Faden gearbeitet, probiere aber mal 2 Fäden aus, wie es Frl. Swing in ihrem Kräuselrock Tutorial beschreibt. Und wie es auch in einem meiner Nähbücher beschrieben ist, wie ich dann bemerke. Es macht vielleicht doch manchmal Sinn, da hineinzuschauen.
Siehe da, so ist es tatsächlich viel einfacher.


Nahtreißer einnähen, Bund ran, Säumen, Knopfloch und fertig. Ein wirklich einfacher Rockschnitt und machbar an einem Abend.

Ach nein, Moment, ein Knopf fehlt noch, aber da findet sich schnell etwas passendes.


Noch ein bisschen Balkon Gepose mit Erna und schon kann der neue Rock zur Arbeit ausgeführt werden.




 

Montag, 27. Juli 2015

Das Turbokleid

Trudelt eine Hochzeitseinladung im Briefkasten ein, denken die meisten Menschen wohl zuerst "was ziehe ich nur an?!". Diese Frage stellt sich der nähenden Bevölkerung meist etwas anders, nämlich "was nähe ich mir denn schönes?!"

In meiner Familie steht eine Hochzeit an, also mache ich mir genau darüber Gedanken.

Ich krame ein wenig in meiner Schnittmusterkiste und schnell steht fest, es soll dieses hübsche Kleid aus den 1940er Jahren werden.


Schuhe und eine passende Tasche sind auch schnell in meinem Fundus gefunden, jetzt fehlt nur noch ein Stoff, der zu allem passt.

Nach einem ersten Besuch im Stoffladen komme ich mit einem türkis farbenen Polyesterstoff nach Hause, muss mir aber nach ein paar Tagen eingestehen, dass er weder vom Material, noch von der Farbe her das passende für mich ist.



Aber gut, dann vertagen wir die Stoffsuche noch etwas und kümmern uns zwischenzeitlich um das Schnittmuster. Ich denke die meisten, die mit alten Schnittmustern nähen, sehen es ähnlich: direkt mit den Schnitteilen zu arbeiten ist ein No-Go. Besser ist es, die Teile abzuzeichnen.

Das alte Papier ist stark verknittert, also bügel ich es zunächst vorsichtig zwischen Backpapier mit einem Bügeleisen ohne Dampffunktion, damit nicht aus Versehen Wasser austritt.


Die einzelnen Teile zeichne ich behutsam ab und kann nun mit dem Probeteil für das Oberteil beginnen. Dabei merke ich, dass ich die Teile etwas verlängern muss. An welcher Stelle, ist in der Beschreibung angegeben.



In der Zwischenzeit habe ich auch den perfekten Stoff gefunden, ein erbsgrünes Viskose Gewebe. Zum Glück hält mein Freund mich davon ab die Teile am Oberteil selbst zu besticken. Das wäre wahrscheinlich auf Grund von mangelnder Stickerfahrung in einer Katastrophe geendet. Auf dem Flohmarkt finde ich für teures Geld eine Kiste mit zauberhaften Stickbildern aus den 40er Jahren.

Diese schneide ich vorsichtig am Rand entlang aus.


Dann bestreiche ich sie mit Textilkleber.....

 

.....positioniere sie auf den Schnittteilen und nähe sie anschließend mit der Hand fest.


Was ich jetzt hier in 3 Sätzen schreibe, dauert in der Realität tatsächlich relativ lange. Und somit kommen wir auch zur Erklärung des Titels "Das Turbokleid".

Ich bin zwischenzeitlich eine Woche weg und merke während meines kleinen Ausfluges, dass mir noch ganze 2 Abende nach der Arbeit bleiben werden, wenn ich zurück komme, um das Kleid zu nähen. Das ist mir tatsächlich zuletzt beim Abiball passiert und endete damit, dass ich morgens noch schnell bei einer schwedischen Modekette ein Kleid gekauft habe. Aber gut, nun bin ich 10 Jahre Näherfahrung reicher und sollte das Zusammennähen doch an diesen 2 Abenden hinbekommen.

Diszipliniert geht es ans Werk und die erste Ernüchterung kommt bei den Schnallen für die Knöpfe am Oberteil. Die sehen nämlich echt bescheiden aus.



Kein Problem, so ein bisschen Zickzackstich auftrennen dauert ja auch gar nicht lange.

Die beiden Teile am Ausschnitt nähe ich also kurzerhand einfach zusammen und beim Betrachten des Oberteils kommen mir Zweifel, ob das ganz wirklich tragbar wird.


Die Blüten sind total asymmetrisch und außerdem hat das eine Teil eine häßliche Kante. Ich bin genervt, aber aufgeben kommt nicht in Frage. Ich nähe den Rockteil an.

Die erste Freude über die fast streberhafte Naht. Doof nur, dass an der Stelle ein Gürtel sitzen wird. Aber egal, ich halte mich an jedem Strohhalm fest.


Um 23.30h am Abend vor der Abreise hängt dann ein fertig genähtes Kleid an meiner Schneiderpuppe.
  


Ich bin froh und erleichtert,dass es rechtzeitig fertig ist, aber gleichzeitig auch sehr verunsichert, ob es wirklich so gut geworden ist. Ich habe keine andere Wahl, es wird so in den Koffer gepackt.

Am Tag der Hochzeit sind dann alle Zweifel wie weggeblasen. Im wahrsten Sinne des Wortes, es windet nämlich etwas.


Ich liebe die Farbe und angezogen fallen die kleinen Fehlerchen doch auch gar nicht mehr auf. Die Ärmel finde ich besonders schön, da waren mir die im Original nämlich zu unelegant. Ich bin außerdem sehr glücklich über die Entscheidung, den breiten Bund wegzulassen. Der hätte bei mir nur aufgetragen und mit dem Gürtel sieht es doch viel schicker aus.
  

Samstag, 18. Juli 2015

Die Palazzohose, die dann doch keine wurde

Der Stein des Anstoßes für dieses Projekt ist ein Stück Stoff, vermutlich einfach ein großes Tuch, das ich für einen schmalen Taler Anfang des Jahres bei einem Flohmarkt mitgenommen habe.



Mein erster Gedanke ist, einen einfachen Rock daraus zu machen. Beim Anhalten merke ich allerdings, dass so leider die hübschen Blüten im oberen Teil wegfallen würden. Außerdem kommt die Länge eigentlich ziemlich genau mit meiner Beinlänge hin, wieso also keine Hose daraus machen?

Recht schnell stoße ich auf folgendes Schnittmuster und bin hin und weg. Eine Palazzohose scheint genau das richtige für heiße Sommertage.




Bei genauerer Recherche finde ich Tragebildern von Damen im Internet, die genau diese Hose schon einmal genäht haben und komme zu dem Entschluss, dass mir die Hose live doch nicht so recht gefällt. Die hübschen Zeichnungen auf den alten Schnittmustern sind doch manchmal etwas anderes als die (heutige) Realität.

Also setze ich mich mal wieder an mein Lieblingshosenschnittmuster....



.... und schaue, wie ich es ändern kann, damit ich eine leichte Sommerhose daraus schneidern kann.

Da bei dem auffälligen Muster eine Seitennaht stören würde, setze ich Vorder- und Rückseite zusammen.



So kommt das Muster auch an den Seiten toll zur Geltung.



Anstelle einfacher Abnäher, setze ich an der einen Seite einen Reißverschluss ein und auf der anderen eine versteckte Seitentasche.

Den Bund lege ich etwas breiter als sonst an, da ich bei der ersten Anprobe zum einen merke, dass die Hose einen kleinen Ticken zu kurz wird. Zum anderen kommt so der Gürtel, den ich aus der oberen Borte, die ich weggeschnitten habe, fertige, besser zur Geltung.


Das Ergebnis ist eine schöne und leichte Sommerhose mit einem Hauch von Exotik.


Natürlich wird die Hose bei den Temperaturen auch sofort ausgeführt.



Montag, 8. Juni 2015

Ein treuer Begleiter

Ist es nicht super, zu jedem Outfit die passende Tasche zu haben?
Ich finde JA!

Aus diesem Grund habe ich für euch ein Tutorial vorbereitet, in dem ich euch zeige, wie man ein hübsches Beuteltäschchen im 40er/50er Jahre Stil näht.
Traut euch auch als Anfänger ran, man braucht zwar hier und da etwas Geduld, aber es ist wirklich nicht schwer!




Was ihr braucht:


 - Stoff für die Außentasche
    ca. 40 x 140cm
    Ich nehme Leinen

- Stoff für das Futter
   ca. 25 x 80cm
  Ich nehme Baumwolle

- Einlage für den Boden

- den obligatorischen Nähbedarf wir Nähmaschine, Bügeleisen, Schere, Nadeln, Maßband





- Eine Ellipse aus Papier als   Schnittmuster für den Taschenboden. Die könnt ihr prima mit einem Grafikprogramm zeichnen und ausdrucken. Oder einfach mit der Hand zeichnen.

Sollte das alles nicht funktionieren, könnt ihr auch gerne meine ausdrucken. Achtet nur darauf, sie in Originalgröße zu drucken. (rechtsklick, "Link in neuem Tab öffnen" oder speichern)



Das wichtigste an dieser Tasche: die Deko!
Zackenlitze, Bommelborte, Webbänder, Fransenborte, sucht zusammen was ihr habt. Wichtig ist, dass eure Bänder 60cm lang sind.











Zuschnitt

Dann schneiden wir auch direkt schon alle Teile aus dem Stoff aus. Die Länge der Teile ergibt sich aus dem Umfang der Ellipse. Den habe ich gemessen, in dem ich einmal mit dem Maßband um die Papierellipse herumgemessen habe.
Der Umfang beträgt bei mir 38,5cm. Den Wert habe ich *1,5 gerechnet, da ich den Stoff noch kräuseln werde um eine schön bauchige Tasche zu bekommen. 

Die beiden Ellipsen schneidet mit etwas Nahtzugabe aus dem Stoff aus, die Einlage für den Boden schneidet genau nach der Vorlage aus.

Den Streifen für die Schlaufen (154x4cm) könnt ihr auch auf mehrere Streifen verteilen, falls euer Stoff nicht so breit ist. Wichtig ist, dass ihr später 14cm lange Streifen abschneiden könnt.


Für die Außentasche





Das Futter

Der Tragebändel

Nach dem Schneiden kommt das Bügeln

Das Oberteil (das 18x58cm Stück), das Stück für den Tragebändel und den Streifen für die Schlaufen bügelt ihr jeweils einmal mittig und dann nocheinmal an den Kanten ein Stück nach innen.


Dekorieren

Nun habt ihr die Qual der Wahl, mit was möchtet ihr euer Täschchen dekorieren? Ich entscheide mich für eine mexikanisch angehauchte Farbauswahl. Ja, da stehe ich tierisch drauf.


Aber passt bloß auf, dass ihr nicht zu bunt und wild werdet! Hahaha, nein Scherz - haut drauf, was euch gefällt und Spaß macht!

Beim Feststecken eurer Bänder achtet darauf, dass sie auf beiden Seiten auf der gleichen Höhe sind, damit sie später auf der Tasche einmal drumherum laufen.

Dazu stecke ich sie ersteinmal auf einer Seite so fest, wie sie sein sollen und zeichne mir die Position auf einem Schmierblatt auf. Das lege ich mir nun unter die andere Seite und habe so die exakten Positionen.


Näht die Bänder mittig mit einem farblich passenden Garn fest. Meine "Bürstchen" nähe ich am Oberteil von hinten fest, so dass man die Naht später vorne nicht sieht.
 

Die Schlaufen

Aus dem Streifen für die Schlaufen schneidet nun 14cm lange Stücke ab.




 11 Stück sind es insgesamt. Näht jede Schlaufe seitlich zusammen.
Diese verteilt nun am oberen Rand der Tasche mit einem Abstand von ca. 5cm.



Steckt sie nun fest wie auf dem folgenden Bild und näht sie am besten mit einem Zickzackstich fest.
Bei jeder Schlaufe gehe ich mit dem Stich nochmal vor und zurück. Das wird später das tragende Element der Tasche sein, also sollte da alles bombenfest halten.



Kräuseln

Damit die Tasche schön bauchig fällt und somit viel Stauraum bietet, kräuselt die untere Kante der Außentasche und des Futterstoffes.
Dazu müsst ihr die Fadenspannung eurer Nähmaschine ganz locker einstellen, die Stichlänge so lang wie möglich und mit einem Geradestich eine Naht nähen.

Haltet nun einen Faden fest, mit der anderen Hand schiebt ihr den Stoff zusammen.



Schiebt den Stoff so weit zusammen, dass er noch ca 38, 5cm (der Umfang der Ellipse) breit liegt.



Außentasche und Futter zusammennähen

Näht das Futter und den Außenstoff rechts auf rechts - also schöne Seite auf schöne Seite - zusammen.


Klappt den Futterstoff nun einmal um und bügelt an der Naht entlang. Ich lasse den Außenstoff etwas überstehen, damit später das Futter nicht herauslugt.


Der Zwischenstand sieht dann so aus.


Klappt nun den Futterstoff und den Außenstoff auseinander und steckt die Außenkanten aufeinander fest, die rechte Seite innen. Jetzt müssten die Enden eurer Dekobänder aufeinanderliegen. Lasst beim Zusammennähen im Futterstoff eine Wendeöffnung frei.






Boden einnähen

Nun habt ihr einen Schlauch, der an beiden Seiten offen ist. Das wollen wir natürlich ändern.
Markiert euch auf den Ellipsen jeweils die Mittelpunkte jeder Seite. 


  


Das gleiche macht ihr bei den Öffnungen eures "Schlauches" und steckt die Böden jeweils zuerst an den Mittelpunkten fest.

 


Das Gekräusel könnt ihr noch ein wenig hin und herschieben, damit es gleichmäßig ist und dann die Böden der Außentasche und des Futters feststecken.

 

 

Wenn ihr auch eher so Rambos an der Nähmaschine seid wie ich, seid bei dem Part bitte ganz besonders vorsichtig. Stoppt die Maschine lieber einmal zu viel und kontrolliert, dass ihr keine doofen Falten einnäht. Legt euch die Tasche auch immer wieder zu recht.
Im Prinzip könnt ihr über die Nadeln hinwegnähen, wenn ihr sie wie ich festgesteckt habt.


 Nun müsstet ihr statt einem Schlauch eine Wurst haben.

 

 Stülpen

Zeit das Innerste nach außen zu kehren. Also das äußere nach außen. Ach egal, ihr wisst schon. Zeit zum Umstülpen!

Stülpt zunächst die Außentasche in die Futtertasche.



Dann beginnt vorsichtig die Außenseite durch die Wendeöffnung der Innentasche nach außen zu ziehen.

süßes kleines Monster
Jetzt stülpt das Futter auf die richtige Seite.



Wenn das ganze so aussieht, habt ihr alles richtig gemacht.

 


Die Wendeöffnung könnt ihr nun zusteppen.


Wenn ihr wie ich einen leichten Futterstoff gewählt habt, kann es sein, dass der schwerere Außenstoff diesen nach außen zieht. Aber aus dem Grund haben wir vorher ja schon fleißig gebügelt. Steppt einfach am oberen Rand entlang und schon hat sich das Problem erledigt.


So, Glückwunsch! Euer neuer Hut ist fertig!


 Falls ihr doch lieber ein Täschchen haben wollt, geht es sofort weiter.

Oberteil

Näht die Außenkanten des Oberteils zusammen. Achtet auch hier darauf, dass die Bänder möglichst exakt aufeinanderliegen.



Bügelt die Nahtzugabe auseinander.


 



Das Oberteil steckt an der Nahtzugabe der Rückseite an den Schlaufen fest. Auch hier empfiehlt sich wieder ein Zickzackstich



Klappt nun das Oberteil einmal um und näht es an der unteren Kante zusammen.



Tragebändel

Jetzt fehlt nur noch der Tragebändel. Den habt ihr ja schon zurecht gebügelt. Näht in an den Außenseiten zusammen. Dann könnt ihr ihn einfädeln.

Vielleicht findet sich ja auch eine freundliche Einfädelhilfe wie Erna bei euch.


Ansonsten bekommt ihr das sicher auch alleine hin.


Nach dem Einfädeln den Bändel nur noch an den Enden zusammenknoten....


.....und tadaaaaaaa, fertig ist das neue Täschchen! 
 

Ich führe meines stilecht zur Mexikobluse aus.




Ich hoffe, es hat euch Spaß gemacht und ihr seid zufrieden mit eurem Ergebnis! Ihr könnt natürlich ganz viel ausprobieren. Zum Beispiel noch Innentäschchen hinzufügen, vielleicht eines mit Reißverschluss oder eines für den Lippenstift. Experimentiert auch mit der Größe herum, wenn ihr möchtet. Hauptsache ist, ihr habt Freude beim Ausführen.

Ich freue mich übrigens sehr, dieses Tutorial auch in Kurzform auf  The Vegan Pin Up Files teilen zu dürfen!

PS: Wenn ihr das Täschchen nachnäht, schickt mir doch gerne Bilder davon oder teilt sie mit mir auf meiner Facebookseite